Jungpflanzen brauchen Achtsamkeit

Am 07.05. haben wir unsere Ackerparzellen für die neue Saison übernommen – mit einer Menge Saatgut unter der Erde. Und ersten sichtbaren Jungpflanzen. An dem Tage konnte ich aus Termingründen nicht dabei sein und so ging ich am Tag darauf erstmalig in dieser Saison hin.

4 „Dates“ mit meinen Jungpflanzen

Seitdem war ich insgesamt viermal auf dem Acker. Das erste Mal, um mein Kulturschutznetz (siehe Foto) auszulegen, welches meine Jungpflanzen vor Schädlingen und heftigen Wettereinflüssen schützt. Es ist riesig und wird locker über die Kulturen gelegt. An den Rändern ist darauf zu achten, dass sie möglichst „dicht“ sind, damit keine Kaninchen oder Wühlmäuse lässig darunterkrabbeln. Denn die knabbern in Nullkommanix ganze Pflanzen weg. Vermeiden wollen wir auch, dass Kohlweißlinge (weiße Schmetterlinge, die ihre Eier gerne in die Blattgabelungen von Kohlpflanzen legen und deren Larven diese später munter vernaschen) darunterfliegen können. Also werden die Ecken und Kanten mittels aufgehäufter Erde oder Steinen beschwert. Damit die Ränder gut abschließen.Netz zum Schutz der Kulturen vor Schädlingen

Beim ersten Besuch galt es zudem, eine Runde Wasser zu spendieren. Der Boden war sehr trocken. Auf unserem Acker herrscht nämlich ordentlich Wind. Und der trocknet in Rekordtempo alles aus – inklusive uns Menschen, wenn wir auf der Parzelle arbeiten. Ich jedenfalls habe anschließend immer mächtig Durst!

Wind nützt Jungpflanzen

Der beständige Wind sorgt allerdings auch dafür, dass wir erstaunlich wenig Schädlinge auf unserem Gelände haben. So finden fiese Schnecken – die Pein eines jeden Ziergärtners – den starken Wind nämlich ziemlich doof. Klasse für unsere Jungpflanzen, die so weitgehend vom Schneckenfraß verschont bleiben.

Okay, die eine oder andere Nacktschnecke haben wir in diesem – im Vergleich zum Vorjahr feuchteren – Frühjahr schon eingesammelt, doch im Grunde ist es eine verschwindend geringe Zahl. und bislang kein sichtbarer Schaden!

Junge Pflanzen - aus Saatgut gezogen

Aus einem Samen…

Ganz zu Beginn des Jahres setzt Nermin, unsere Gartenbaumeisterin, jede Menge verschiedener Samen in die Erde. Sobald die ersten Triebe sprießen, werden diese von hand vereinzelt und in die auf dem Foto abgebildeten, mit frischer Erde gefüllten, Kisten umgesetzt. So entstehen unsere Jungpflanzen.

Manche (robusteren oder langsamer wachsenden) Gemüsesorten kommen auch als Samen direkt in unseren Acker – beispielsweise Möhre, Pastinake oder Petersilie. Zudem werden vorgekeimte Saatkartoffeln vor Parzellenübergabe im Acker verbuddelt. Doch je nach Wetterlage und -vorhersage dürfen wir dann weitere Setzlinge zufügen.

Jungpflanzen: Kürbis und Zucchini finden ihren Platz

So habe ich letzten Mittwoch Kürbis (Bild oben), Zuckermais (Bild unten) und Zucchini gesetzt. Hierzu werden Löcher in der Erde ausgehoben, etwa ein Löffel Düngerpellets zugegeben und dann die Jungpflanzen eingesetzt. Mit Erde zubuddeln und leicht andrücken, damit die Pflanze Bodenkontakt herstellen kann. Und dann angießen. Im Idealfall direkt auch „mulchen“ – also den Wurzelbereich mit Bio-Stroh oder Heu bedecken. Das schützt den Pflanzballen der vielsaufenden und  schnell wachsenden Kürbisse und Zucchinipflänzchen vor Austrockung.

Zudem ist der Mulch auch Nahrungsquelle. Denn die Helferlein im Boden – Regenwürmer & Co – zersetzen ihn zu wertvoller Nahrung für unsere Kulturpflanzen. Auf dem Bild siehst Du einen Zuckermais-Setzling in seinem Heubett. Mulch hält auch Beikräuter fern.
MulchBei meinem dritten „Date“ auf der Parzelle habe ich satte zweieinhalb Stunden lang gearbeitet. Denn die feuchten Rahmenbedingungen 2016 sind ideal für das Wachstum. Leider auch für das Beikraut (vom Gartenlaien als Unkraut bezeichnet, dabei hat es seinen Nutzen und manche Beikräuter wie beispielsweise Melde sind für uns sehr gut essbar).

Zudem gab es wieder interessante Jungpflanzen, die ich auf meiner Parzelle mit Begeisterung ergänzt habe:
– Paprika
– Chilies
– Fenchel
– Porree
– Ruccola
– Physalis/ Kapstachelbeere/ Andenbeere
– Tomaten
– Kohlrabi (zusätzlich zur „Grundausstattung“)
– Ribiesel (eine Tomatenart, die ähnlich wie Johannisbeeren wächst und daher den österreichischen Namen für Johannisbeeren trägt)

Und so habe ich viele kleine Löcher gebuddelt, die zarten Setzlinge hinein gegeben und vorsichtig angedrückt. Auf dass sie sich wohl fühlen und munter wachsen.

Jede Kultur hat eigene Bedürfnisse

Mein vierter Besuch auf der Parzelle diente dazu, die Tomaten-Jungpflanzen mit einem stützenden Stock zu versehen und mit einem Vliestunnel zu überziehen – ebenfalls als Schutz.

Letztes Jahr war das mit den Tomaten nämlich gründlich in die Hose gegangen – weil es so viel Wind und Regen gab. Ein Regensturm hatte fast alle unserer Pflanzen geknickt und ihnen in der Folge Krautfäule beschert. Das war das Ende unserer 2015er Tomaten….

2016-05-28 20.27.44Dieses Jahr probieren wir daher andere Sorten und ich habe sie mit einem rundum geschlossenen und windwiderstandsfähigeren Vliestunnel umhüllt.

Der weht nicht so leicht weg und schützt meine Tomaten-Jungpflanzen hoffentlich ausreichend, bis wir sie dauerhaft der warmen Sommersonne aussetzen können. Denn mir läuft beim Gedanken an eigene Tomaten schon jetzt das Wasser im Mund zusammen. Wenn dann das Basilikum wieder so wunderbar gedeiht, wie im letzten Jahr, dann wird das der vermutlich beste Tomatensalat der ganzen Welt!!!