Essgenuss für die Seele: Vanilletrost

Auswahl an Vanille

Jetzt kommen wieder diese Tage….wenn es draußen spürbar früher dunkel und später hell wird. Wenn wir die Fenster schließen und die Heizung aufdrehen. Wenn wir zaghaft die ersten Kerzen aus den Schubladen holen und den Kamin anfeuern.

Vanillepudding

Also mal ehrlich: Ich komme jetzt wieder in die Vanillepudding-Phase. Ich bin da ganz typisch. Denn mit dem Vanillegeschmack aus der Muttermilch sind wir fast alle „angefüttert“ worden. Danach hat die Industrie munter unsere Säuglingsnahrung mit Vanillearoma angereichert. Und so haben die meisten von uns eine Vorliebe für das Aroma der Vanille. Und finden es an schlechten Tagen tröstlich, wenn wir Vanille auf der Zunge schmecken. Auch wenn – aus Kostengründen – es oft gar keine echte Vanille mehr ist. Denn damit wird viel Schindluder getrieben. Längst nicht alles, was schwarze Pünktchen enthält, ist von guter Qualität.

Qualitätsbewusstsein

Da werden dann schon mal statt hochwertigem Vanillemark (Schote glätten, längs aufschlitzen und das Mark mit einer Messerrückseite auskratzen) einfach getrocknete Schoten – also die nach dem Auskratzen des Marks verbleibenden Reste – gemahlen und zugesetzt. Das ist nach EU-Lebensmittelrecht durchaus erlaubt und „natürlich“, doch eben nur bedingt das, was wir unser Vanille verstehen. Dafür viel preisgünstiger als Zutat erhältlich.

Mehrfachnutzung

Frisch und aromatisch ist eine Vanilleschote, wenn sie weich und biegsam ist und dabei ölig glänzt. Sie hinterlässt an den Fingern einen klebrig-öligen Film und duftet schon von außen deutlich. Deswegen kannst Du, wenn Du öfter Vanillezucker benötigst, diesen auch wunderbar selber machen. Einfach die ausgekratzten Schoten halbieren und in einem Schraubglas oder einer Tupperdose mit simplem Haushaltszucker vermengen. Der Zucker nimmt das Aroma auf und löst beim Schütteln der Dose die restlichen verbliebenen Mark-Körnchen. 3 Teelöffel von Deinem Vanillezucker entsprechen übrigens einem Tütchen gekauftem (oft unechten) Vanillezucker. Vanillin ist nämlich keine echte Vanille, sondern ein Aromastoff.

Auch Vanilleöl lässt sich selbst herstellen, wenn Du die geleerten Schoten in geschmacksneutralem Pflanzenöl einlegst. Damit kannst Du Speisen dezent aromatisieren.

Herkunftsorte

Die Vanille ist eine Königin unter den Gewürzen, denn ihr Anbau ist aufwändig und langwierig. Immerhin blüht die Vanilleblüte immer nur einen Tag im Jahr und muss genau dann – zumeist händisch – bestäubt werden. Vanille ist der Blütenstempel einer Orchideenart, die vorwiegend auf Madagaskar (hier wächst die Bourbon-Vanille, vor allem auf La Reunion, der früher als Ile de Bourbon bekannten, namensgebenden Insel) als am Boden wurzelnde Pflanze wächst. Von den rund 110 Arten tragen nur 15 wirklich aromatische Früchte. Sie stammt ursprünglich aus Mexiko, kam dann über Frankreich nach Madagaskar. Aus Mexiko oder Papua-Neuguines kommt heute noch frische Vanille.

Die Kaiserin unter den Vanillelieferanten kommt aus der Südsee – aus Tahiti. Die Schoten der Tahiti-Vanille sind größer und dicker, als die Bourbon-Schoten und duften und schmecken noch deutlich aromatischer. Sie kosten im Handel etwa den dreifachen Preis einer Bourbon-Vanilleschote.

Reifungsprozess

Die Schoten (eigentlich gehören sie zur Gattung der Kapseln) werden gelbgrün geerntet und dann über sechs Wochen getrocknet. Erst dann werden sie verpackt und zum Verbraucher auf den Weg gebracht.

Tonka-Bohne

Die Mexikaner haben sogar eine Alternative zur klassischen Vanille: Die Tonka-Bohne (Samen der Tonka-Frucht) duftet, als habe man Vanille, Rum und Waldmeister kombiniert. Tonkabohnen kommen heute aus Südamerika, Guayana und Venezuela. Da sie – wie Zimt und Waldmeister – einen hohen Cumaringehalt aufweist, der bei höherer Dosierung giftig wirken kann (aufgrund der Gefahr der Leber- und Nierenschädigung sollten maximal 2 mg pro Kilogramm Lebensmittel am Tag verzehrt werden), wird sie vor dem Export nach Europa einen Tag in Rum eingelegt und dann getrocknet und fermentiert. Laut Lebensmittelrecht dürfen danach bis zu 5 mg je kg Lebensmittel zugesetzt werden.

Versöhnlich stimmt uns, dass der Tonkabohne eine erotisierende Wirkung nachgesagt wird. Daher kommt Tonka auch oft in der Parfumindustrie zum Einsatz.

Übermut

Die getrockneten Bohnen können auf einer Muskatreibe direkt in das gewünschte Gericht gerieben werden und sind ebenfalls als schwarze Pünktchen erkennbar. Doch Vorsicht: Eine zu hohe, gut gemeinte, Dosierung macht ein Essen schnell ungenießbar. Wir haben das selbst erlebt, als wir zu Weihnachten dem „es darf heute mal ein bisschen mehr sein“-Gefühl verfielen und damit eine liebevoll hergestellte Creme Brulee gnadenlos ins Aus befördert haben. Sie war einfach viel zu intensiv im Geschmack.

Trostspender

Zurück zum Ausgangspunkt: Vanille wirkt tröstlich auf uns, weil es uns an die eigene Mutter erinnert. Zu einer Zeit, wo wir für ihre Nähe und Liebe sehr dankbar waren. Wenn nun also der Herbstblues Einzug hält, dass spricht nichts dagegen, einen frischen Vanillepudding für mehr Wohlbefinden zuzubereiten und zu vernaschen. Klar geht das mit der Tüte einfach, doch noch besser schmeckt er, wenn er komplett selbstgemacht ist.